Kräuterweihe – alter Brauch zu Maria Himmelfahrt

Am Tag vor Maria Himmelfahrt traf sich ein Team des Dettinger Frauenbundes im Pfarrheim um Kräutersträuße zu binden. Diese sowie Lavendelsäckchen -die Ida Trageser in Heimarbeit genäht und befüllt hatte – wurden in der Vorabendmesse von Pater Leonard gesegnet und im Anschluss daran gegen eine Spende abgegeben. Wir bedanken uns herzlich bei den Spender*innen.

Die Kräutersträuße, die auch Wärzberre genannt werden, sind ein uraltes Brauchtum. Lotte Oster aus Karlstein, die uns seit Jahren beim Kräutersammeln und -binden unterstützt, hat hierüber den interessanten Artikel „Die Wärzberre – Hexenzauber oder frommer Glaube?“ geschrieben, den wir mit ihrer Erlaubnis hier auszugsweise weitergeben.

„Alle Jahre am 15. August – Maria Himmelfahrt – werden in überwiegend katholischen Gebieten Deutschlands nach dem Gottesdienst „die Wärzberren“ (Heilkräuterbuschen) gesegnet.
Uralt ist das Wissen, dass alle Heil- und Würzkräuter zum Vollmond im August die größte Heilkraft haben; nur das Johanniskraut wird bereits am 24. Juni, dem Johannistag, gepflückt und getrocknet. Durch die Klimaerwärmung blühen jedoch alle Wildblumen zunehmend 2 – 4 Wochen früher, so dass am Sammeltage oftmals viele Kräuter bereits abgeblüht oder nicht mehr vorhanden sind. Konnte man bei uns vor 30 Jahren nachweislich noch mühelos 47 Wildkräuter an Rainen, Wegesrändern oder auf Brachflächen finden bzw. sammeln – heute sind viele Arten einfach verschwunden.

Nach der Segnung werden die Weihsträuße getrocknet und für ein ganzes Jahr als Zeichen des Glaubens mit der Hoffnung auf Schutz, Gesundheit und Segen für Mensch und Vieh im Herrgottswinkel aufbewahrt oder hinter das Kruzifix geklemmt. Die Büschel mit einer Wetterdistel werden im Dachboden aufgehängt, damit das Haus vor Blitzeinschlag verschont bleibe. Bei Gewitter wurden geweihte Kräuter ins Herdfeuer geworfen, dem kranken Vieh wurden sie ins Futter gemischt, und in den Raunächten zwischen 25. Dezember und 06. Januar wurden Haus und Stall „ausgeräuchert“ und um Segen und Gesundheit gebeten. Bevor der jährlich neue Würzbuschen das Wohnzimmer zierte, wurden die alten Kräuter dem Vieh verfüttert. Alles ging wieder an die Natur zurück.

Die Kräuterweihe ist ein Brauch von alt her und soll die Menschen daran erinnern, dass selbst in den einfachsten Pflanzen ein Segen liegen kann. Seit etwa dem 10. Jh. feiern die Christen die Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt, und dazu gibt es eine schöne Legende: Als man 3 Tage nach dem Tode das Grab der Gottesmutter öffnete, war es leer; aber viele Pflanzen, Blumen und Kräuter verströmten darin einen atemberaubenden Duft. So wurden alsbald Kräutersegnungen und Fest Maria Aufnahme in den Himmel miteinander verknüpft… „

Wenn es Sie interessiert wie aus dem Wissen heilkundiger Frauen der Germanen sich dieses Brauchtum entwickelte, finden Sie den Artikel auf unserer Homepage  www.frauenbund-dettingen.de auf der Willkommensseite unter den Nachrichten.

Uschi Stenger